Vorstände stellen weiterhin die falsche Frage. Nicht „Wird KI meinen Leuten die Arbeit wegnehmen?", sondern „Welche konkreten Aufgaben erledigt KI bereits jetzt besser als ein Mensch – und was bedeutet das für uns?". Das ist nicht dieselbe Frage. Und der Unterschied zwischen diesen Fragen entscheidet darüber, ob eine KI-Implementierung zum Erfolg wird oder zum nächsten kostspieligen Pilotprojekt ohne Ergebnisse.
KI ersetzt Aufgaben, nicht Stellen
Gartner schätzt, dass jedes Jahr mehr als 30 Millionen Arbeitsrollen umgestaltet – nicht eliminiert – werden durch KI. Dies ist eine entscheidende Unterscheidung, die Branchenschlagzeilen konsequent übersehen. Eine einzelne Rolle kann gleichzeitig 20–40 % ihrer bisherigen Aufgaben verlieren und neue gewinnen: Koordination, KI-Aufsicht, Entscheidungsfindung bei unvollständigen Daten. Mit anderen Worten – Stellenbeschreibung, KPIs und Leistungsbewertungssystem werden veraltet, bevor die Personalabteilung es überhaupt bemerkt.
Aus meinen Beobachtungen – bestätigt durch Daten im Deloitte-Bericht „Navigating the end of jobs" – zeigt sich, dass Unternehmen, die echten Wert aus KI erzielen, eines tun: Sie zerlegen Rollen in Aufgaben und entscheiden erst dann, welche von einem Menschen, welche von KI und welche durch ein Mensch-Maschine-Kooperationsmodell ausgeführt werden. Das ist keine digitale Transformation. Es ist eine Neugestaltung der Art und Weise, wie Arbeit überhaupt definiert wird.
Das größte Risiko ist nicht die Technologie – es ist die Kompetenzlücke
Technologie wird schneller verfügbar, als Organisationen sie absorbieren können. Gartner prognostiziert, dass bis 2030 75 % der Arbeit von KI-unterstützten Menschen und 25 % von KI eigenständig erledigt werden. Bis dahin werden Organisationen jedoch mit etwas ganz anderem kämpfen: Entscheidungschaos, „Shadow AI" – Mitarbeiter, die KI außerhalb der IT-Kontrolle nutzen – und der Überschätzung kurzfristiger Effekte bei gleichzeitiger Unterschätzung der Übergangskosten.
Deloitte weist darauf hin, dass Organisationen, die in systematische KI-Kompetenzentwicklung investieren, 2,5-mal häufiger positive Geschäftsergebnisse erzielen. Nicht wegen der Technologie – sondern weil die Menschen in diesen Unternehmen wissen, wie man mit ihr arbeitet.
Was Vorstände jetzt tun sollten
Fragen Sie nicht: „Wie ersetzen wir Menschen durch KI?" Fragen Sie stattdessen: „Welche Aufgaben in unserer Organisation kann KI heute übernehmen – und wie gestalten wir Rollen um das herum, was ausschließlich menschlich bleibt?"
Drei Schritte, die branchenunabhängig sinnvoll sind:
- Zerlegen Sie Rollen in Aufgaben und bewerten Sie deren Automatisierungspotenzial.
- Bauen Sie KI-Kompetenz nicht nur in der IT auf, sondern in der gesamten Organisation.
- Ändern Sie Anreizsysteme, sodass Ergebnisse belohnt werden, nicht manueller Aufwand.
Denn KI wird Arbeit nicht eliminieren. Sie wird Organisationen eliminieren, die nicht gelernt haben, anders zu arbeiten.
Liebe Leserin/Lieber Leser. Wenn Sie glauben, dass das oben beschriebene Thema Ihr Unternehmen betrifft und Sie mit mir im Vorstand darüber sprechen möchten, wie Sie Rollen und Kompetenzen im KI-Zeitalter effektiv neu gestalten können – lade ich Sie herzlich zum Gespräch ein. Leszek Giza.
